Faktencheck

Faktencheck #4: Thema U-Bahn

Behauptung
  • Die Stadt Nürnberg befürworte die Verlängerung der U2 nach Stein und "denke diese immer mit".

  • Das abgebrochene Park&Ride-Parkhaus in Röthenbach würde im Hinblick auf die Verlängerung der U-Bahn nach Stein nicht wieder aufgebaut, weil diese Infrastruktur dann ja am neuen Endpunkt der Linie U2 in Stein entstehen solle.

Fakt ist
  • Wer suggeriert, dass eine Verlängerung der U-Bahnlinie U2 nach Stein aktuell eine reale Chance hat, handelt unseriös. Das Gegenteil ist leider richtig.

Im Einzelnen:

I. Förderfähigkeit

  • Anfang 2025 wurde eine aktuelle standardisierte Bewertung gemäß Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) abgeschlossen – im Rahmen eines intermodalen Verkehrsgutachtens. Diese Bewertung ergab: Der Nutzen-Kosten-Faktor einer U-Bahn-Verlängerung nach Stein liegt bei 0,89 und damit leider unter dem (für eine 90%ige Förderung der Baukosten) notwendigen Wert von mindestens 1,0.

  • Das heißt: Weder der Bund noch das Land Bayern werden den U-Bahn-Bau nach Stein in absehbarer Zeit finanziell fördern. Eine neue standardisierte Bewertung ist erst dann wieder möglich, wenn sich die Rahmenbedingungen erheblich geändert haben. Das Steiner Stadtteilprojekt Weihersberg wurde in die Bewertung von 2025 bereits einbezogen.

II. Baukosten

  • Die Baukosten für die Verlängerung der U-Bahn-Strecke von Röthenbach nach Stein – Ziel: Palm Beach bzw. der Kreisverkehr an der B 14 – betragen mindestens 186 Mio. EUR netto (Preisstand 2020). Legt man den allgemeinen Baupreisindex zu Grunde, sprechen wir heute bereits von Bruttokosten in Höhe von ca. 325 Mio. EUR.

  • Von diesen Kosten müsste der Landkreis Fürth – zuständiger Maßnahmenträger für den ÖPNV im Landkreis – 30 Mio. EUR netto, hochgerechnet auf heutige Preise also ca. 50 Mio. EUR tragen.

III. Betriebskosten

Der Bau einer neuen U-Bahn-Strecke mit mehreren neuen Bahnhöfen ist das eine, der Betreib das andere. Die anteiligen Betriebskosten für eine Verlängerung der U-Bahn-Linie U2 auf Steiner Gebiet würden anfänglich ca. 1,7 Mio. EUR jährlich betragen, nach 5 Jahren auf ca. 3,8 Mio. EUR und langfristig gar auf ca. 5,7 Mio. EUR pro Jahr steigen. Grund hierfür sind die für Reparaturen zu bildenden Rücklagen. Auch diese Kosten müsste der Landkreis Fürth schultern. Zum Vergleich: Dessen aktuelles Jahresbudget für den gesamten ÖPNV im Landkreis bei ca. 9,5 Mio. EUR liegt.

IV. Konkurrierende Planungen

  • Das U-Bahn-Bauamt der Stadt Nürnberg hat dem Vernehmen nach im Rahmen der standardisierten Bewertung einer U-Bahn-Verlängerung nach Stein mehrfach Kosten "nachgeschoben". Letztlich kam ein negativer Kosten-Nutzen-Indikator von 0,89 dabei heraus.

  • Am 25.02.2026 hat der Nürnberger Stadtrat dann die Verlängerung der U2 in die Stadtteile Eibach und Reicheldorf beschlossen – also einen alternativen Streckenausbau auf eigenem Nürnberger Territorium, der in den nächsten Jahrzehnten die U-Bahn-Bau-Kapazitäten der Stadt Nürnberg weitgehend binden wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

V. Der Abriss des Park&Ride-Parkhauses Röthenbach als Vorbote einer Streckenverlängerung?

Mit einer Pressemitteilung der Stadt Nürnberg vom 19.12.2019 wurde der Abbruch des P+R-Parkhauses Röthenbach angekündigt, gleichzeitig ein "Ersatzneubau an gleicher Stelle". Am 16.05.2025 teilte die Stadt Nürnberg dann mit, dass "ein Neubau eines klassischen P+R-Parkhauses an diesem Standort" zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen verworfen werden musste. Vom Zusammenhang mit einer U-Bahn-Verlängerung nach Stein und einem neuen P+R Parkhaus am Kreisverkehr an der B 14 ist nicht die Rede.

Fazit:

Alle Fraktionen und Einzelstadträte im Steiner Stadtrat verfolgen das Ziel eine Verlängerung der U-Bahn-Linie U2 nach Stein – und dies seit Jahrzehnten. Wer aber die oben dargelegte Faktenlage negiert und kurz vor der Kommunalwahl suggeriert, die U-Bahn nach Stein wäre schneller erreichbar, wenn nur die Rathäuser in Nürnberg und Stein beide "in schwarzer Hand" wären, der handelt äußerst unseriös. Er führt die Steiner Bevölkerung genau genommen hinters Licht.